Walther König x ART COLOGNE – PRIZE 2023
Ein Ort kann eine ganze Kunstwelt bündeln: Begegnung, Bildung, Geschichtsbewusstsein, Gegenwart. In dieser Folge führt der Weg an eine Adresse, die viele kennen und doch jede Generation neu entdeckt: Ehrenstraße 4 in Köln. Hier schlägt seit 1969 das Herz eines Universums, das weit über Bücher hinausreicht – als Treffpunkt, als Arbeitsraum, als Durchgangsstation für Ideen.
Am Anfang stehen drei Rätselfragen, die ziemlich schnell klarmachen, worum es hier wirklich geht: um Zugänglichkeit, um Austausch, um das Weitergeben von Wissen und Erfahrung – und um eine Infrastruktur, ohne die Kunstleben im Alltag kaum vorstellbar wäre.
Walther König: Vom Anfang in Köln bis zum Haus, das viele mitträgt
Walther König erzählt ruhig, direkt und mit diesem trockenen Humor, der die großen Geschichten nicht aufblasen muss. Es geht um frühe Jahre, um das Ankommen in Köln, um die Energie der Zeit – und um den Moment, als sich die Tür zum Stammhaus öffnete: die Pakete waren da, die Einladung geschrieben, die Euphorie in der Luft. Dann: Sonntagmittag auf, brechend voll. Und ab da kamen sie – die Künstler, die neugierigen Blicke, die Gespräche, die Wiederbesuche. Nicht als Event, eher als organisches Wachsen.
Spürbar wird, dass dieser Ort von Anfang an mehr war als Verkauf: ein sozialer Raum der Kunst. Ein Platz, an dem sich Künstler:innen, Kurator:innen, Galerist:innen, Verleger:innen, Sammler:innen, Studierende und neugierige Passant:innen mischen – und an dem sich diese Rollen im besten Sinne verwischen dürfen.
Kunstvermittlung als Praxis: Bücher, Editionen, Blickschulung
Im Gespräch geht es immer wieder um das Machen: Wie entstehen Künstlerbücher? Wie kommen Projekte zustande? Wie wird aus einer Idee eine Form, die bleibt? Walther König beschreibt, wie oft die Initiative von ihm ausging: Künstler:innen werden angesprochen, Bücher gezeigt, Referenzen geteilt – aus Interesse, aus Blick, aus einer sehr konkreten Lust an Form und Inhalt. Namen fallen als Bezugspunkte, als Marker für eine Tradition, die bis heute weiterarbeitet.
Und dann sind da die Geschichten, die man so nur in einem langen Leben zwischen Kunst, Produktion und Öffentlichkeit hört: Gilbert & George im Fenster zwischen ihren Büchern, frühe Auflagen, die heute rar sind; Künstler, die vorbeikommen, bleiben, wiederkommen. Diese Folge macht spürbar, wie stark Kunst auch aus Wiederholung entsteht: aus Orten, an denen Menschen sich regelmäßig begegnen.
Decke, Fries, Auftrag: Wenn ein Ort selbst zum Werk wird
Besonders schön ist der Teil, in dem Walther König über die Gestaltung im Haus spricht – bis hin zur Decke und einem Fries unter der Decke, der als Auftragsarbeit entstand. Nicht als Dekor, eher als Setzung: Kunst gehört in diesen Raum, weil sie aus diesem Raum heraus gedacht wird. Der Buchhandel wird hier nicht als Kulisse erzählt, sondern als Teil der künstlerischen Praxis.
ART COLOGNE III – PRIZE 2023: Anerkennung für Vermittlung
Der Rahmen dieser Episode ist die ART COLOGNE und der ART COLOGNE Preis 2023 – eine Auszeichnung für besondere Leistungen in der Kunstvermittlung. Im Gespräch wird deutlich, wie stimmig diese Perspektive ist: Vermittlung zeigt sich hier als tägliche Arbeit an Zugängen. Als Sorgfalt. Als Dranbleiben. Als Haltung, die Kunst nicht verkürzt, sondern in die Welt stellt.
Diese Folge ist ein Porträt von Walther König – und zugleich eine Nahaufnahme dessen, wie Kunstbetrieb sich anfühlen kann, wenn er von Beziehungen, Verlässlichkeit und echter Neugier getragen wird.
Frage zum Weiterdenken:
Welche Orte haben deinen Blick auf Kunst geprägt – und warum gerade diese?
Themen der Folge
– Ehrenstraße 4: ein Ort als Kunst-Infrastruktur
– Walther König und die frühen Jahre des Stammhauses
– Künstlerbücher, Editionen, Referenzen (u. a. Dubuffet, Miró)
– Künstler:innen im Haus: Begegnungen, Geschichten, Wiederbesuche
– Kunst im Raum: Decke, Fries, Auftragsarbeit als Setzung
– ART COLOGNE Preis 2023: Kunstvermittlung als Praxis
Weiterführende Links und Informationen:
Wer tiefer in Strukturen, Preise, Archive, Märkte und Verantwortung im Kunstbetrieb einsteigen möchte: Ein kurzer Abzweig in den Bereich Kunstmarkt lohnt sich – dort sammeln sich passende Gespräche zum Weiterhören.


