Es gibt Ausstellungen, für die ein schneller Besuch nicht ausreicht. The Rise and Fall of Erik Schmidt im KINDL in Berlin gehört in diese Kategorie. Seit September stand sie vorgemerkt – nicht als ein Punkt auf der To-do-Liste, sondern als Moment, der Zeit, Ruhe und einen offenen Blick verlangt. Im November hat sich dieser Besuch nun ergeben, getragen von einer beiläufigen Spontaneität, die oft der beste Rahmen ist.
Der Rundgang durch die Ausstellung entwickelte sich zu einer gemeinsamen Bewegung durch Jahrzehnte künstlerischer Arbeit. Kein offizielles Format, kein Vortrag. Eher ein Gehen nebeneinander, ein leiser Austausch, ein Abtasten der Räume. Erik Schmidt führte durch sein „Rise and Fall“, ohne den Anspruch, eine Lesart vorzugeben. Genau das machte den Moment besonders.
Die Schau ist weit angelegt: Zeichnungen, Videos, Fotografien, Malereien, frühe Berliner Arbeiten, Werke aus New York und neue Produktionen. Fünf Kapitel strukturieren diese Wegstrecke – Porträt, Reise, Arbeit, Stadt, Rückblick. Sie stehen nebeneinander wie kleine Inseln, verbunden durch die Architektur des Maschinenhauses M2 und durch die Zeit, die sich in den Werken ablagert.
Beim Gehen treten Details hervor:
Ölfarbe, die in die Oberfläche drängt und Relief bildet.
Gesichter, die in ihrer Präsenz variieren.
Reisefragmente, die einen Moment lang stillstehen.
Notizen aus einem früheren Berlin.
Eine neue Videoarbeit am Ende, die den Blick in die Gegenwart richtet.
Zwischendurch erzählt Erik von Orten, Situationen und Entstehungsmomenten. Von Arbeitsprozessen, die Geduld brauchen, und Herausforderungen, die die künstlerische Praxis begleiten. Themen wie Macht und Männlichkeit erscheinen in Andeutungen – kurze Hinweise, die den Rhythmus des Rundgangs bestimmen. Die Räume bleiben offen genug, um die eigene Wahrnehmung zu halten.
Der Besuch wirkte konzentriert. Keine schnellen Antworten. Kein Bedürfnis, etwas einordnen zu müssen. Eher ein langsames Durchschreiten einer Arbeit, die über Jahre gewachsen ist und sich in vielen Medien ausbreitet.
Am Ende standen ein stiller Eindruck und einige Fragen, die sich beiläufig eingestellt haben:
Welche Geschichten tragen wir sichtbar vor uns her – und welche halten wir zurück?
Wie verändert sich ein Bild, wenn sich etwas Eigenes darin spiegelt?
Und was zeigt sich, wenn ein Künstler sein eigenes „Rise and Fall“ in ein öffentliches Haus legt?
