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Purple Path – Gegenwartskunst trifft Bergbau, Handwerk und Erinnerung | Alexander Ochs und Silke Franzl | Chemnitz 2025 | Kunstpodcast

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Silke Franzl
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Alexander Ochs
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Claudia Linzel

Kunst- und Skulpturenweg Purple Path mit Alexander Ochs & Silke Franzl  ·  Hartmannfabrik Chemnitz  ·  Kulturhauptstadt Europa 2025

Was macht einen Ort zu dem, was er ist?
Nicht die Sehenswürdigkeiten und auch nicht die Statistiken, sondern die Geschichten, die die Menschen dort über sich selbst erzählen. Und natürlich die Frage, wer diese Geschichten eigentlich erzählt. Genau das ist der Kunst- und Skulpturenweg Purple Path. Der Purple Path erzählt Geschichte und Geschichten, die das Leben schreibt.

Wusstest du zum Beispiel, dass bereits im 15. Jahrhundert der erste Bergarbeiterstreik stattfand? Die Skulptur Coin Stacks von Sean Scully weckt Erinnerungen daran, weil sie übereinander-gestapelten Münzen ähnelt. Die Anwohner reagierten darauf, indem sie mit kleinen Spardosen die Form der Skulptur nachbauten.
Oder wie schaffen es Kunst und Kirche, einer Eisverkäuferin zum besten Jahresumsatz seit 20 Jahren zu verhelfen? Mit einer Installation von Rebecca Horn. 

Also: auf dem Weg entlang der 250 km des Kunst- und Skulpturenwegs Purple Path findet Kunst weder auf dem Podest noch im Museum statt, sondern mitten in der Landschaft, im Alltag und auch mal im Geröll einer ehemaligen Bergbauhalde. 

Der Purple Path

Der Purple Path ist eines der großen bleibenden Projekte der Kulturhauptstadt Europas Chemnitz 2025. Der Skulpturenweg mit über 50 Arbeiten zeitgenössischer Künstlerinnen und Künstler zieht sich wie ein symbolisches Band durch  38 Kommunen  in einer Region mit intensiver Geschichte. Er macht durch Gegenwartskunst sichtbar, was längst da ist und verleiht einer Region eine neue Sprache, mit der sie sich selbst erzählen kann. Ein Modell, das weit über das Erzgebirge hinausweist: für jede Region, in der Bergbau, Handwerk, Industrie und Umbruch zur DNA gehören.

Zu Gast

ALEXANDER OCHS — KURATOR

Alexander Ochs hat zwanzig Jahre zwischen Berlin und Beijing gearbeitet, eine Galerie geleitet und Ausstellungen in Museen und außerhalb des Kunstmarkts kuratiert. Als er eingeladen wurde, für das Programm der Kulturhauptstadt Europas Chemnitz 2025, ein Kunstprojekt in der Kulturhauptstadtregion  zu entwickeln, fuhr er mit öffentlichen Verkehrsmitteln und manchmal auch mit dem Fahrrad von Ort zu Ort, saß in Meetings mit Bürgermeistern, arbeitete mit Bergmannskapellen und Bergbrüderschaften zusammen und hörte zu. Er hat Kunst nicht einfach zugeteilt, er hat sie gemeinsam mit den Menschen vor Ort und den Künstler:innen zu einem Storyteller gemacht.

SILKE FRANZL — BÜRGERMEISTERIN VON EHRENFRIEDERSDORF

Silke Franzl ist in der Bergstadt Ehrenfriedersdorf aufgewachsen, wo man sich noch heute mit „Glück auf“ begrüßt. Ihr Vater war Bergmann, ihre Brüder auch. Als Bürgermeisterin einer der 38 Kommunen der Kulturhauptstadtregion hat sie das große gemeinsame Projekt Chemnitz 2025 von Anfang an mit großem Engagement unterstützt. Denn für sie ist klar: Kunst und Kultur braucht der Mensch genauso wie die Luft zum Atmen.

Die Hartmannfabrik

Aufgenommen wurde diese Episode in der Hartmannfabrik in Chemnitz, eine ehemalige Fabrikhalle des Chemnitzer Lokomotivenbauers Richard Hartmann. Im Stadtentwicklungsprogramm von Chemnitz 2025 saniert, erinnert das historische Gebäude an die bedeutende Industriegeschichte der Stadt. Heute ist die Hartmannfabrik Sitz der Chemnitz 2025 gGmbH und Veranstaltungsort. 

Entlang des Purple Path

Anhand der folgenden von Alexander Ochs besprochenen Werke zeigt sich, welche Wirkung der Purple Path entfaltet: Internationale Gegenwartskunst aktiviert tradierte Geschichten, zeitgenössische Skulptur macht Industrie- und Bergbaugeschichte sichtbar,  lokale Erinnerung erzeugt globale Reichweite. Für jedes Kunstwerk wurde ein Ort gefunden, an dem es sich besonders guteinfügt.

Carl Emanuel Wolff  –  Wildschweine  ·  Ehrenfriedersdorf

Mitten im Geröll der ehemaligen Bergbauhalde, dem heutigen Museum Zinngrube,  stehen drei Bronzeskulpturen. Genau dort, wo der Sage nach Wildschweine einst mit ihren Rüsseln Zinnerze freischubberten und die Geschichte der Stadt begann. Der Künstler bestätigte zum ungewöhnlichen Standort der Skulpturen: „Die stehen genau richtig da.“

Nevin Aladağ  –  Color Floating  ·  Zwönitz

Designlampen sind mit Strumpfhosen bespannt, die jährlich gewechselt werden – in der ortsansässigen Falke-Strumpffabrik. Die Textilindustrie hat im Ort eine über 100-jährige Tradition. Über die Arbeit von Nevin Aladağ  ist eine dauerhafte Kollaboration zwischen Kunst und Wirtschaft entstanden.

Sean Scully  –  Coin Stack 2  ·  Schneeberg

Übereinandergestapelte bronzene Scheiben, die an Münzen erinnern, verweisen auf den ersten dokumentierten Bergarbeiterstreik der Geschichte, stattgefunden im 15. Jahrhundert in dieser Region. Nach der Einweihung des Kunstwerks begannen Bewohner, kleine Spardosen in derselben Form zubauen.

Rebecca Horn  –  The Universe in a Peral Hospitalkirche  ·  Hospitalkirche St. Georg  Lößnitz

25.000 begeisterte Besucherinnen und Besucher aus nah und fern, betreut von Freiwilligen aus der Stadt. Eine Eisverkäuferin aus Lößnitz sagte: Ich habe so viel Eis verkauft wie in den letzten 20 Jahren nicht.

Tony Cragg  –  Stack  ·  Aue-Bad Schlema

Stack steht zwischen 21 nummerierten Schächten des ehemaligen Wismut-Uranabbaugebiets. Die übereinandergeschichteten Formen der Skulptur spiegeln die aufgeworfene Erde des Kurparks. Ein Ort, der nach 1946 vollständig zerstört und erst Ende der 1990er Jahre revitalisiert wurde. Cragg hatte nie zuvor eine Skulptur auf so einer freien Fläche platziert.

James Turrell  –  Beyond Horizons 2025  ·  Oelsnitz / Erzg.

Eine für Europa einzigartige Lichtarbeit, integriert in eine besondere Industriearchitektur. Turrell programmierte für diesen Ort Lichtkompositionen, die er bis dahin noch nie realisiert hatte: alle fünf Minuten ein Wechsel zwischen ruhigen Farbfeldern und einem Aufreger. Ein Kommentar auf die unruhige Geschichte des Ortes.

Olaf Holzapfel  –  Zwei in ein anderes Gewobene  ·  Dittersdorfer Höhe in Amtsberg

Zwei ineinander gewobene Strukturen, entstanden aus Holzapfels Beschäftigung mit historischen Vermessungstürmen der Region. Orte, an denen im 19. Jahrhundert Vermessungspunkte durch Türme in die Höhe verlängert wurden. Holzapfel wuchs in Dresden auf und kannte diese Türme aus seiner Kindheit.

Friedrich Kunert  –  Include me out  ·  Thalheim

Im Buntsockenpark steht eine bronzene Skulpturengruppe. Die stilisierten Fichten bilden einen Kreis und sind auch   ein stiller Kommentar zum Fichtensterben durch Klimawandel und Käferbefall, der weite Teile des Erzgebirges betroffen hat.

Frank Maibier  –  Ornamente  ·  Lichtenau

Acht übereinandergestapelte, quadratische Formen, die an handgeschmiedete DDR-Gartenzäune erinnern, umgesetzt von einer Schlossermeisterin aus der Gemeinde. Die Skulptur steht am Ortseingang auf einem Parkplatz und gibt Lichtenau, einer Gemeinde ohne historisches Zentrum, einen neuen Treffpunkt.

Gregor Gaida  –  Polygonales Pferd II  ·  Gahlenz in Oederan

Eine Arbeit, um die es mehr Diskussion gab als um jede andere entlang des Purple Path. Das Ergebnis: Das Dorfmuseum in unmittelbarer Nachbarschaft der Skulptur konnte sich vor Besucherinnen kaum retten.

Was euch erwartet

Alexander Ochs erzählt, wie er als Kurator des Purple Path ohne Blaupause und mit dem Fahrrad von Ort zu Ort fuhr. Silke Franzl erklärt, warum sie die Wildschweine zuerst nicht im Geröll haben wollte. Und warum sie heute froh ist, dass sie sich überstimmen ließ.

Wir sprechen über den ersten Bergarbeiterstreik der Geschichte. Über Arbeiterinnen einer Strumpffabrik. Über einen Mann in Oelsnitz, der im Kohlebergbau gelernt hat, abgewickelt wurde und jetzt auf die Kunst aufpasst, die in seiner alten Schmiede steht.

Und wir sprechen über die Frage, was es bedeutet, wenn zeitgenössische Kunst einen politischen Prozess in Gang setzt, der Region und Industriegeschichte wieder in den Blick rückt.

Glück auf!

„Glück auf“ ist der traditionelle Bergmannsgruß. Der Gruß entstand im sächsischen Erzgebirge gegen Ende des 16. Jahrhunderts. Er ist eine Einkürzung der längeren Formel: „Ich wünsche Dir Glück, tu einen neuen Gang auf“ – also die Hoffnung, dass sich Erzgänge auftun und die Arbeit der Bergleute zu einem Lohn führt. Verbunden ist damit der Wunsch nach der Schicht gesund wieder ans Tageslicht zurückzukehren.

Links & Informationen

Purple Path

Chemnitz 2025

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Hinter den Kulissen

Diese Episode entstand im April 2026 in der Hartmannfabrik in Chemnitz

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