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Podcastfolge mit Dr. Manuela Husemann, Kunsthalle Bremen

Pablo Picasso – Kunsthalle Bremen | Kunstpodcast

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Dr. Manuela Husemann
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Claudia Linzel

Pablo Picasso – Kunsthalle Bremen

Was haben Pablo Picasso und Bremen miteinander zu tun?
Diese Frage steht am Anfang der Folge – und führt mitten hinein in die Geschichte einer Sammlung, eines Galeristen und einer Institution.

Die Kunsthalle Bremen besitzt eine umfangreiche Sammlung von Arbeiten Pablo Picasso auf Papier. Einen großen Teil dieses Bestands verdankt das Haus dem Bremer Kunsthändler Michael Hertz, der ab den frühen 1950er-Jahren eine zentrale Rolle beim Vertrieb von Picasso-Grafiken in Deutschland spielte.

Im Gespräch mit Dr. Manuela Husemann, Kuratorin der Ausstellung Die Picasso-Connection. Der Künstler und sein Bremer Galerist, wird nachvollzogen, wie diese Verbindung entstand – und was sie über Sammlungsgeschichte, Kunstmarkt und Museumsarbeit in der Nachkriegszeit erzählt.

Dr. Manuela Husemann – Weg in die Museumsarbeit

Dr. Manuela Husemann berichtet im Gespräch von ihrem eigenen Weg an die Kunsthalle Bremen. Sie studierte Kunstgeschichte in Plymouth und promovierte an der University of East Anglia in Norwich. Nach Stationen in Stuttgart kam sie als wissenschaftliche Volontärin an die Kunsthalle Bremen und ist dort zum Zeitpunkt der Aufnahme  als wissenschaftliche Mitarbeiterin tätig gewesen.

Ein Blick zurück führt in die Bremer Stadtgeschichte: Die Ausstellung zu den Bremer Stadtmusikanten, das Jubiläum, die Frage von Maß, Sockel, Haltung im öffentlichen Raum, verbunden mit dem Bildhauer Gerhard Marcks. Es entsteht ein warmes Verständnis dafür, wie sehr kuratorische Arbeit über das einzelne Objekt hinausreicht: in Stadt, Erinnerung, Gegenwart.

Die Kunsthalle Bremen und ihre Sammlung auf Papier

Die Kunsthalle Bremen geht auf den 1823 gegründeten Kunstverein zurück. Von Beginn an spielte das Sammeln von Arbeiten auf Papier eine wichtige Rolle. Heute umfasst der Bestand mehr als 200.000 Zeichnungen und Druckgrafiken.

Im Gespräch wird erläutert, welche besonderen Bedingungen mit diesem Sammlungsschwerpunkt verbunden sind. Arbeiten auf Papier reagieren empfindlich auf Licht, Temperatur und Luftfeuchtigkeit. In der Ausstellungspraxis bedeutet das: gedimmtes Licht, begrenzte Präsentationszeiten und sogenannte Sperrzeiten, in denen Werke nach der Ausstellung wieder dunkel gelagert werden, um das Material zu schonen.

Diese Rahmenbedingungen prägen, wann und wie Werke gezeigt werden können – und erklären, warum bestimmte Arbeiten nur zeitweise sichtbar sind.

Michael Hertz und Daniel-Henry Kahnweiler

Ein zentraler Teil der Folge „Picasso – Kunsthalle Bremen“ widmet sich Michael Hertz. Hertz eröffnete 1946 in Bremen einen Kunsthandel und lernte 1949 den Pariser Galeristen Daniel‑Henry Kahnweiler kennen, einen der wichtigsten Händler Picassos.

Aus dieser Begegnung entwickelte sich eine enge Zusammenarbeit. 1951 erhielt Hertz die Exklusivrechte für den Vertrieb bestimmter Picasso-Grafiken aus dem Kahnweiler-Verlag in Deutschland. Diese Vereinbarung hatte weitreichende Folgen: Zahlreiche Museen und Sammlungen erwarben ihre Picasso-Grafiken über Hertz – darunter auch die Kunsthalle Bremen.

Dr. Husemann beschreibt im Podcast „Picasso – Kunsthalle Bremen“, dass rund die Hälfte der Picasso-Grafiken der Kunsthalle direkt über Michael Hertz angekauft wurde. Die Nähe seiner Galerie zur Kunsthalle spielte dabei ebenso eine Rolle wie sein Verkaufsgeschick und sein Netzwerk.

Begegnung mit Picasso und persönliche Zeugnisse

Michael Hertz traf Picasso 1951 erstmals persönlich im Atelier in Paris. Über dieses Treffen berichten seine unveröffentlichten Memoiren Kunsthändlerjahre, aus denen im Katalog zur Ausstellung erstmals das vollständige Kapitel zu Picasso veröffentlicht wurde.

Hertz schildert darin, dass Picasso sich weniger für seine Rolle als Kunsthändler interessierte, sondern starkes Interesse an Hertz’ Engagement in der Friedensbewegung zeigte. Hertz war bereits vor dem Zweiten Weltkrieg politisch aktiv; auch Picasso engagierte sich in der Friedensbewegung.

Weitere Einblicke liefern die Erinnerungen von Françoise Gilot, die in ihren Memoiren Episoden aus Picassos Umgang mit Galeristen beschreibt – etwa Situationen, in denen Händler bewusst gegeneinander ausgespielt wurden.

Preise, Markt und Museumsankäufe

Ein weiterer Schwerpunkt des Gesprächs liegt auf der Preisentwicklung von Picasso-Grafiken. Anfang der 1950er-Jahre bewegten sich die Preise im dreistelligen D-Mark-Bereich. Bis 1970 stiegen sie auf fünfstellige Beträge pro Blatt.

Diese Entwicklung hatte konkrete Folgen für Museen. Viele Häuser – darunter auch die Kunsthalle Bremen – beendeten ihre Ankäufe von Picasso-Grafiken, weil die Preise nicht mehr zu finanzieren waren. Die Folge beleuchtet diesen Prozess anhand konkreter Beispiele, etwa der Serie Suite 347 von 1970.

Auch der Ankauf von Picassos Linolschnitten Ende der 1950er-Jahre wird thematisiert. Michael Hertz erkannte früh deren Bedeutung für den deutschen Markt. 1960 erwarb die Kunsthalle Bremen einen umfangreichen Satz dieser Arbeiten – ein Ankauf, der damals eine außergewöhnlich hohe Investition darstellte.

Zur Folge Picasso – Kunsthalle Bremen

Gesprächspartnerin: Dr. Manuela Husemann, Kuratorin
Ort: Kunsthalle Bremen
Ausstellung: Die Picasso-Connection. Der Künstler und sein Bremer Galerist

Themen
Picasso-Grafik · Sammlungsgeschichte · Michael Hertz · Kunstmarkt der Nachkriegszeit · Papier und Licht · Museumsankäufe · Netzwerke

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Links & Credits
Kunsthalle Bremen 

Letzte redaktionelle Überarbeitung: Februar 2026.

Die Kuratorin Dr. Manuela Husemann vor dem Plakat der Ausstellung Picasso Kunsthalle Bremen, 2021
Dr. Manuela Husemann, Gesprächspartnerin der Folge „Die Picasso Connection – Kunsthalle Bremen“