New Talents
Wo beginnt Talent – und was braucht es, damit es wachsen kann, ohne sich zu verbiegen? Im Ruhrgebiet entsteht mit New Talents Ruhr ein Rahmen, der genau diese Frage ernst nimmt: als Arbeitsrealität, als Verantwortung, als Einladung. Es geht um Anfänge, um das Suchen, um erste Entscheidungen. Und um Begleitung, die nicht drängt, sondern tragfähig wird.
Im Gespräch treffen Perspektiven aufeinander, die sich selten in dieser Form begegnen: Programmarbeit, Mentoringpraxis und die Stimmen junger Teilnehmender. Sophie Charlotte Kirk (Regionalverband Ruhr) spricht über Ziele, Strukturen und Spannungen eines Förderprogramms, das künstlerische Entwicklung ermöglichen will, ohne Identität festzuschreiben. Daniel Bausch teilt seine Sicht als Mentor: Wie entsteht Vertrauen, wenn Begleitung auf Augenhöhe angelegt ist? Alia Brunschier und Selma Hildebrand sprechen über ihren Weg im Programm – über Rollenbilder, Mut zur eigenen Sprache und den Moment, in dem etwas Inneres eine Form im Außen sucht.
New Talents Ruhr im Ruhrgebiet
New Talents Ruhr ist ein Förderprogramm des Regionalverbands Ruhr für junge Künstler:innen ab 16 Jahren. In der Folge wird der Rahmen als mehrjähriger Prozess beschrieben: Entwicklung wird nicht als Sprint verstanden, sondern als Strecke mit Übergängen, Rückfragen und Wiederholungen. Thematisch geht es um künstlerische Felder wie elektronische Musik, Urban Arts, digitale Kunst, Performance und Neuer Zirkus. Die Aufnahme markiert damit auch ein Gegenwartsbild des Ruhrgebiets: eine Region, in der künstlerische Praxis mit Stadt, Biografie, Community und Infrastruktur verwoben ist.
Im Gespräch wird außerdem benannt, dass das Programm im Rahmen von „Neue Künste Ruhr“ gefördert wird und zeitlich als Zyklus angelegt ist, der bis in das Jahr 2026 reicht. Der Fokus liegt dabei weniger auf Selbstdarstellung als auf konkreten Bedingungen: Wer unterstützt wen, an welchen Stellen, mit welchen Spielräumen?
Mentoring als Praxis: Nähe, Verantwortung, Methode
Diese Folge bleibt nah an dem, was Mentoring im Alltag wirklich ausmacht. Daniel Bausch beschreibt Begleitung als Haltung: zuhören, Resonanz geben, Impulse setzen, ohne fremde Ziele überzustülpen. An mehreren Stellen wird spürbar, wie sehr junge künstlerische Wege von Rahmenbedingungen abhängen: Zeit, Orte, Feedback, Zugang zu Technik, Wissen über Abläufe, Möglichkeiten zum Auftreten und Scheitern.
Alia Brunschier und Selma Hildebrand erzählen, wie sich Professionalität anfühlt, wenn sie nicht als „fertig sein“ gedacht wird, sondern als Prozess. Es geht um Selbstvertrauen, um das Ringen mit Erwartungen, um den Blick von außen – und um den Unterschied zwischen Leistung und Entwicklung. Mentoring erscheint hier als Beziehung, die den nächsten Schritt leichter macht, ohne ihn vorzugeben.
Felder, Partner, Räume: wer das Programm trägt
Im Gespräch werden die künstlerischen Kooperationspartner als entscheidender Teil der Struktur beschrieben – mit Leitungen, die aus den jeweiligen Feldern kommen. Genannt werden u. a. die Akademie für Theater und Digitalität, das Theater Dortmund und das Theater im Depot Dortmund für digitale Kunst und Performance. Für Urban Arts wird Pottporus e. V. genannt. Für den Bereich elektronische Musik fällt die Folkwang Universität der Künste (Pop-Institut) als wichtiger Bezugspunkt. Diese Aufzählung macht sichtbar: Förderung ist keine Einzelmaßnahme, sondern ein Netzwerk aus Institutionen, Menschen, Orten und Routinen.
Bühne, Bildschirm, Beats: künstlerische Identität heute
Ein roter Faden der Episode ist die Frage, wie künstlerische Identität heute entsteht – zwischen Präsenz, digitaler Öffentlichkeit und lokalen Szenen. Die Gespräche berühren dabei auch Rollenbilder: Wer wird als „Talent“ gelesen? Wer bekommt Raum? Wer bleibt unsichtbar? Alia Brunschier und Selma Hildebrand sprechen über Arbeitsweisen, über Mut, über das Sprechen in eigenen Formen. Daniel Bausch ergänzt diese Perspektiven aus Mentorensicht: Welche Art von Feedback stärkt, welche Art verengt?
In dieser Folge wird das Ruhrgebiet als Anker erfahrbar – nicht als Etikett, sondern als Realität: Wege sind oft nah, Szenen sind vernetzt, Ressourcen sind begrenzt, Energie ist hoch. New Talents Ruhr wird so zum Beispiel dafür, wie Regionalität künstlerische Entwicklung tragen kann.
Von Kunstcamp Ruhr zu New Talents Ruhr
Im Gespräch wird außerdem die Entwicklungslinie von Kunstcamp Ruhr hin zu New Talents Ruhr angesprochen. Der Übergang steht für einen Perspektivwechsel: weg vom Ereignis, hin zu Begleitung über Zeit. Wer zuhört, bekommt ein konkretes Bild davon, wie Programme wachsen: durch Erfahrung, durch Korrekturen, durch Verantwortung gegenüber den Teilnehmenden.
Themen dieser Folge
New Talents Ruhr · Mentoring · Ruhrgebiet · Nachwuchsförderung · Urban Arts · Elektronische Musik · Digitale Kunst · Performance · Neuer Zirkus · Netzwerke · Rollenbilder · Vertrauen
Gäste
Sophie Charlotte Kirk · Projektmanagement New Talents Ruhr (Regionalverband Ruhr)
Daniel Bausch · Mentor
Alia Brunschier · Teilnehmerin New Talents Ruhr
Selma Hildebrand · Teilnehmerin New Talents Ruhr
Stiftung Kunst, Kultur und Soziales der Sparda-Bank West
Diese Episode entstand in Zusammenarbeit mit der Stiftung Kunst, Kultur und Soziales der Sparda-Bank West.
Die Stiftung engagiert sich für kulturelle Teilhabe, Bildung und soziale Verantwortung. Sie unterstützt Projekte, die künstlerische Entwicklung ermöglichen, Orientierung geben und gesellschaftliche Zusammenhänge stärken – langfristig, verlässlich und mit Blick auf nachhaltige Strukturen.
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Alle Folgen der Zusammenarbeit mit der Sparda-Stiftung
Links & Credits
New Talents Ruhr · Regionalverband Ruhr · Stiftung Kunst, Kultur und Soziales der Sparda-Bank West · Daniel Bausch
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Anknüpfend dazu vertieft eine Podiumsdiskussion zur Förderung von Kunst und Künstler:innen Fragen nach Verantwortung, Struktur und Sichtbarkeit:
Podiumsdiskussion zum Thema Förderung von Kunst und Künstler:innen der Stiftung Brandenburger Tor
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Fragen nach Systemen, Kontrolle und Wahrnehmung werden im Gespräch Holding Pattern im HMKV Dortmund vertieft.
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Letzte redaktionelle Überarbeitung: Februar 2026.
