Museum Reinhard Ernst, Wiesbaden

Fumihiko Maki und Helen Frankenthaler im Zentrum von Wiesbaden

Ein neues Museum zu betreten, fühlt sich anders an als jedes Wiedersehen.
Nichts ist routiniert, nichts gesetzt. Der Blick ist wacher, aufmerksamer – vielleicht, weil noch nichts selbstverständlich ist.

Das Museum Reinhard Ernst in Wiesbaden ist kein historisch gewachsenes Haus. Es ist eine bewusste Setzung. Eine private Sammlung wird öffentlich. Ein neues Museum zu eröffnen in einer Zeit, in der viele Städte sparen, streichen und verdichten, ist keine Selbstverständlichkeit.
Welche Verantwortung entsteht, wenn eine private Sammlung Teil der Stadtgesellschaft wird?

Im Zentrum der Sammlung stehen Werke von Helen Frankenthaler. Malerei, die Bewegung zulässt. Farbe als Prozess. Durchlässigkeit nicht als Schlagwort, sondern als Haltung, die sich im Raum fortsetzt.

Was verändert sich in einer Stadt, wenn ein Parkplatz einem Museum weicht?

Schon auf dem Weg dorthin wird das spürbar. Der Bau von Fumihiko Maki fügt sich ruhig in den Stadtraum ein. Kein Spektakel, kein Getöse. Ein heller, klarer Körper – präsent, ohne sich aufzudrängen.
Früher war hier ein Parkplatz.

Was verändert sich in einer Stadt, wenn ein Parkplatz einem Museum weicht?
Und was sagt diese Entscheidung über die Prioritäten einer Gesellschaft?

Architektur, Sammlung und Programm greifen im Museum Reinhard Ernst ineinander. Der Bau schafft Licht, Übergänge, Aufenthaltsorte. Räume, in denen Verweilen vorgesehen ist – nicht als Pause, sondern als Teil der Erfahrung.

Wie verändert sich ein Werk, wenn sich Generationen begegnen?

Dieses Verweilen lohnt sich besonders in der aktuellen Ausstellung Helen Frankenthaler moves – Jenny Brosinski, Ina Gerken, Adrian Schiess“. Drei zeitgenössische Positionen treten in einen Dialog mit Frankenthalers Werk. Kein Zitieren, kein Ableiten. Ein kluges Weiterdenken aus der Gegenwart heraus.

Jenny Brosinski arbeitet mit Offenheit und bewussten Leerstellen.
Ina Gerken mit Nähe, Schichtung und Zeit.
Adrian Schiess mit Licht, Oberfläche und dem Dazwischen von Malerei und Raum.

Zwischen den Arbeiten entsteht kein Vergleich, kein Wettbewerb. Eher eine gemeinsame Aufmerksamkeit. Ein Miteinander im Raum.

Welche Rolle wollen wir Kulturorten in unserem Alltag geben?

Ein Ausflugsziel, als Denkraum, als selbstverständlichen Teil der Stadtgesellschaft?
Und was braucht ein Museum heute wirklich, um relevant zu sein? Architektur? Sammlung? Programm? Vertrauen? Haltung? Durchlässigkeit?

Apropos Durchlässigkeit. Ein schönes Wort – vor allem dann, wenn aus einem Begriff ein Programm wird.
So wie im Museum Reinhard Ernst.

Weiterführende Links:

Podcast Teil 1: Dr. Oliver Kornhoff & Lea Schäfer – das Museum Reinhard Ernst, Helen Frankenthaler und die Idee von Durchlässigkeit | Kunstpodcast Die Leichtigkeit der Kunst

Podcast Teil 2: Helen Frankenthaler moves – Jenny Brosinski, Ina Gerken und Adrian Schiess im Museum Reinhard Ernst Wiesbaden | Kunstpodcast Die Leichtigkeit der Kunst