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Kunst und Wissenschaft vs Raum und Macht | Forschungscampus Dahlem | Prof. Dr. Patricia Rahemipour, Asta Gröting und Heiner Franzen | Kunstpodcast | Die Leichtigkeit der Kunst

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Heiner Franzen
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Claudia Linzel

Kunst und Wissenschaft?

Wer in Berlin lebt oder gelebt hat, kennt das mit Sicherheit: Man läuft durch einen Kiez, den man seit Jahren kennt, doch mit einem Mal fehlt irgendwo etwas, ein Hinterhof aus dem interessante Geräusche kamen, eine Tür, die immer offen war, ein Ort von dem man wusste, dass dort irgendjemand irgendetwas macht, auch wenn man selbst nie drin war. Stattdessen Neubau oder Baustelle. Die ursprünglichen Räume, die einst zur Stadt gehörten, werden seltener. Das betrifft Ateliers genauso wie Proberäume, Werkstätten, Labore, Orte an denen Gedanken entstehen und zur Form werden. Und weil Kunst und Wissenschaft beide auf solche Räume angewiesen sind, haben wir an diesem Abend auf dem Forschungscampus Dahlem darüber gesprochen, was es bedeutet, wenn diese Räume wegfallen.

Live-Podcast

In dieser Live-Episode, aufgezeichnet zur Langen Nacht der Wissenschaften 2026 auf dem Forschungscampus Dahlem und anmoderiert von Julie Nautré, Geschäftsführerin des Forschungscampus, treffen drei Perspektiven aufeinander, die unterschiedlicher kaum sein könnten und trotzdem dieselbe Grundfrage stellen: Unter welchen Bedingungen entstehen Kunst und Wissenschaft heute, und wer trägt dafür Verantwortung?

Kunst und Wissenschaft vs. Raum und Macht

Das Gespräch fragt, wer den Raum für Kunst und Wissenschaft schafft, wer ihn sichert, und was entsteht, wenn er sich verwandelt oder zur Mangelware wird. Dieser Abend bringt eigentlich gar keine stadtpolitische Frage auf die Bühne, sondern eine viel grundsätzlichere: Was entsteht, wenn Raum für Kunst und Wissenschaft schwindet, und unter welchen Bedingungen soll das möglich sein. Am Beispiel der Uferhallen und des Tacheles wird deutlich, was auf dem Spiel steht, für Künstler:innen, Institutionen und auch für eine Stadtgesellschaft

Das Tacheles, einst für alle zugänglicher Kulturraum steht zwar noch, aber es beherbergt heute Fotografiska und 175 Eigentumswohnungen, deren Quadratmeterpreis bei durchschnittlich 15.000 Euro liegt, in der Spitze bei bis zu 31.000 Euro, die historischen Graffiti wurden erhalten. Die Uferhallen in Wedding haben seit Ende 2023 einen Generalmietvertrag mit der landeseigenen Kulturraum GmbH, dennoch müssen viele Ateliers umziehen.

Zu Gast

Asta Gröting

Asta Gröting ist Bildende Künstlerin in Berlin, sie arbeitet mit Bildhauerei, Video, Performance und Zeichnung, oft großformatig, und hat ihr Atelier in den Uferhallen in Wedding.

Direkt nach der Wende fuhr sie nach Ostberlin und fotografierte die zerschossenen Fassaden mit einer analogen Kamera. Viele Jahre später, 2016, kehrte sie zu diesen Wänden zurück und strich Silikon darauf, Schicht für Schicht, um dieses dann abzulösen und mitzunehmen. Was sie zurückbekam, waren Abdrücke von Einschusslöchern, Graffiti und Putzresten.

Asta Gröting sagt gegen Ende des Gesprächs, auf eine Publikumsfrage hin, „das Handy sei für viele Jüngere heute auch ein Atelier, man könne es in die Tasche stecken“. Das klingt zunächst versöhnlich, ist aber eigentlich eine sehr nüchterne Beobachtung darüber, was möglich bleibt, wenn das große Format nicht mehr finanzierbar ist.

Heiner Franzen

Heiner Franzen ist ebenfalls bildender Künstler – auch mit Atelier in den Uferhallen, er sammelt seit über zehn Jahren Fernsehmomente, in denen Nachrichtensprecher schweigen, also nicht die Nachrichten selbst, sondern die Sekunden dazwischen, wenn der Text aufgehört hat und der Mensch vor der Kamera einfach da ist. Seine Anchors-Serie ist in dieser Zeit gewachsen, zufälligerweise parallel zu beiden Trump-Wahlen, und er hat uns erzählt, dass er jedes Mal wenn dort politisch etwas kippt, neue Kommentare dazu bekommt. Er hat weiter einen Hausmeister namens Jürgen, auf seinen Gängen durch Häuser, die leer stehen oder gerade den Eigentümer gewechselt haben, gefilmt, einen Mann im Blaumann der prüft was übrig geblieben ist.

Heiner Franzen erklärt, was ihn an den Schweige-Momenten der Nachrichtensprecher interessiert, nämlich Präsenz als das, was direkt zwischen Menschen passiert – und das, sagt er, ist ein Seitenhieb auf die KI.

Er erzählt weiter, wie seine Studierenden in Weißensee zusätzlich zum Studium im Schnitt 25 bis 30 Stunden pro Woche arbeiten mussten, nur um ihre Miete zu zahlen – weit weg von den Bedingungen, unter denen er selbst studiert hat. Er arbeitet seit 2008 in den Uferhallen, was die längste Zeit ist, die er je in einem Raum verbracht hat, wie er selbst sagt.

Heiner Franzen sagt im Gespräch: „Kapital macht immer sauber“, ein Satz, der ganz schön nachhallt.

Prof. Dr. Patricia Rahemipour

Prof. Dr. Patricia Rahemipour ist Direktorin des Instituts für Museumsforschung, angeschlossen an die Stiftung Preußischer Kulturbesitz, und Sprecherin des Forschungscampus Dahlem, sie ist von der Ausbildung her Prähistorikerin, was bedeutet, dass sie in Zeiträumen denkt, in denen unsere aktuelle Situation noch kaum eine Fußnote ist.

Sie erlebt aber ihrer Arbeit täglich, wo und wie sich Kunst und Wissenschaft berühren. Sie sagt, „Kunst ist etwas, was Menschsein seit Jahrhunderttausenden ausmacht, und das kann man durch Rahmenbedingungen nicht abschaffen“.

Auch spricht sie über die Bedeutung, wenn Kunst in der gesellschaftlichen Argumentation zu wenig Respekt bekommt. Sie spricht von einer Studie, die besagt: „selbst Menschen, die nie ins Museum gehen, ziehen nicht in Städte ohne Kultur, weil das für sie einfach unattraktive Städte sind“.

Der Forschungscampus Dahlem

Der Forschungscampus Dahlem gehört zur Stiftung Preußischer Kulturbesitz, einem Verbund von 25 Einrichtungen, darunter das Pergamonmuseum und die Neue Nationalgalerie. Lange galt Dahlem als zentraler Museumsstandort, was sich nach der Wende verändert hat. Dieser Ort wird nun weder als Ausstellungsfläche noch als Atelier gedacht, sondern als dritter Ort für Begegnungen zwischen Kunst und Wissenschaft, Kultur und Gesellschaft betrachtet. „Ein Ort an dem auch Fehler erlaubt sind“, was Prof. Dr. Patricia Rahemipour im Gespräch ganz deutlich macht.

Links & Informationen

Forschungscampus Dahlem
Lansstraße 8, 14195 Berlin
www.forschungscampus-dahlem.de

Institut für Museumsforschung
www.smb.museum/museen-einrichtungen/institut-fuer-museumsforschung

Uferhallen Berlin
www.uferhallen.de

Diese Episode entstand im Juni 2026 live auf dem Forschungscampus Dahlem, Berlin, zur Langen Nacht der Wissenschaften 2026.

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Interner Klick-Tipp

Stefan Heyne – Kunstpodcast
Auch dieses Gespräch ist aus einem Live Talk gewachsen, und auch dort geht es um einen Raum in Berlin und darum, was Wahrnehmung mit dem Ort zu tun hat, an dem sie entsteht. Eine sehr direkte Verbindung zu diesem Abend.

Astrid Busch – Urban Utopia
Astrid Busch arbeitet mit städtischen Räumen, mit dem was bleibt oder auch entsteht wenn Nutzungen wechseln und Orte ihre Geschichte tragen. Wer nach diesem Gespräch weiterhören möchte, ist hier richtig.

Dr. Julia Wallner – Arp Museum Bahnhof Rolandseck / Zu den Sternen
Im weitesten Sinne auch ein Gespräch über Kunst, Raum und Wissenschaft, über den Blick in den Weltraum als künstlerische Haltung und über einen Ort, der selbst Geschichte ist.

Swaantje Güntzel – Können Sie nicht mal was Schönes machen
Swaantje Güntzel arbeitet an der Grenze zwischen Kunst und ökologischer Realität, und fragt dabei ähnliche Fragen wie dieser Abend.

Tim Berresheim
Ein Gespräch über digitale Räume und was entsteht, wenn das Atelier keine vier Wände mehr hat. Eine perspektivische Antwort auf das, worüber Asta Gröting und Heiner Franzen in dieser Folge sprechen.

Patricia Rahemipour – Kosmos Museum
Das erste Gespräch mit Patricia Rahemipour, damals über Museen als Orte des Wissens. Wer verstehen will, wie sie denkt, hört hier rein.