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Kunst lebt | Dr. Juliane Wessels, Sabine Mensing, Matthias Lückertz und Dr. Hermann Arnhold | Freunde des Museums für Kunst und Kultur Münster e.V. | Kunstpodcast | Die Leichtigkeit der Kunst

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Claudia Linzel
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Sabine Mensing
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Dr. Juliane Wessels
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Dr. Hermann Arnhold
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Matthias Lückertz

Kunst lebt – mit den Freunden des Museums für Kunst und Kultur Münster e.V.

Kunst lebt – und zwar seit 1976. Seit diesem Jahr begleiten die Freunde des Museums für Kunst und Kultur Münster e.V. das LWL-Museum. Den ersten Impuls gab bereits 1975 der Martinus-Pokal, ein 1597 entstandenes Stück münsterischer Goldschmiedekunst, das auf einer Auktion auftauchte und das damalige Museumsbudget überstieg. Ein befreundeter Kunsthändler sprang ein und verschaffte Museumsdirektor Paul Pieper Zeit, das Geld für den Ankauf zusammenzubringen. Aus dieser Erfahrung entstand die Idee eines Freundeskreises. Heute gehören ihm mehr als 1.600 Menschen an. 

Die Gäste

Dr. Juliane Wessels lernte Kunst als Kind auf den regelmäßigen Londonreisen zu ihrer Großtante kennen. Später wurde das gemeinsame Schauen mit Freundinnen zu einem festen Teil ihres Lebens. Im Freundeskreis beschäftigt sie heute, wie sich diese Begeisterung weitergeben lässt und wie das Museum dauerhaft unterstützt werden kann. 

Sabine Mensingverbrachte schon als Kind ihre Ferien im Rheinischen Landesmuseum Bonn. In Münster half sie zunächst ehrenamtlich beim Aufbau der Jungen Freunde, seit 19 Jahren arbeitet sie für den Freundeskreis. Ihr geht es darum, Menschen dort abzuholen, wo ihre eigene Neugier auf Kunst beginnt.

Matthias Lückertz führt seinen Zugang zur Kunst auf seinen Vater zurück, der seinen Kindern beibrachte, alles erst einmal zu probieren, bevor sie sich ein Urteil bilden. Kunstgeschichte und jahrzehntelange Kunstreisen kamen später zusammen. Für ihn gehören die Begegnungen und die Geschichten rund um Kunst bis heute eng zusammen. 

Dr. Hermann Arnhold erinnert sich an Wien, an Museumsbesuche als Zehnjähriger und später an einen Nachmittag mit August Macke in Münster. Das Museum wurde für ihn früh zu einem Freiraum, in dem Zeit und Konzentration möglich waren.

Aufnahmeort

Aufgenommen haben wir die Folge „Kunst lebt“ im LWL-Museum für Kunst und Kultur am Domplatz in Münster. Dr. Hermann Arnhold erinnert im Gespräch an den Neubau von Volker Staab als wichtigen Einschnitt für Haus und Freundeskreis. Der heutige Museumsbau wurde im September 2014 eröffnet; der ältere Museumsbau am Domplatz stammt aus dem Jahr 1908. Im Gespräch wird spürbar, wie eng Haus und Freunde inzwischen verbunden sind: durch Ankäufe, Reisen, Programme, die Jungen Freunde und viele Gespräche hinter den Kulissen.

Kunst lebt

Eine dieser „Kunst lebt“ Geschichten beginnt mit dem Martinus-Pokal von 1597, dessen Ankauf 1975 zum Ausgangspunkt des späteren Freundeskreises wurde. Eine andere führt nach Südfrankreich zu Pierre Soulages. Sein Gemälde „Peinture, 324,4 x 181 cm, 12 Avril 2016“ befindet sich heute in der Sammlung des LWL-Museums. Hermann Arnhold erzählt von der langen Freundschaft mit Pierre und Colette Soulages, von einem Atelierbesuch, drei Monaten Schweigen nach der Preisverhandlung und einer Entscheidung der Freunde, die schließlich einstimmig fiel.

Im Zentrum des Jubiläums von „Kunst lebt“ steht außerdem Frans Snyders’ „Knabe in der Vorratskammer“, um 1640, seit Jahrzehnten als Dauerleihgabe im LWL-Museum und aktuell Ziel einer großen Ankaufskampagne der Freunde. Hermann Arnhold spricht über die Fülle des Bildes, über Hummer, Jagdbeute, Obst und die Sinnlichkeit flämischer Stillleben.

Wir sprechen darüber, warum der Freundeskreis „Kunst lebt“ seine Mitglieder selbst über Ankäufe abstimmen lässt, wie aus gemeinsamen Kunstreisen Freundschaften wurden und weshalb während Corona ausgerechnet die digitalen Angebote neue Mitglieder brachten. Es geht um den Beirat und die Geschäftsstelle, um das Verhältnis von Ehrenamt und professioneller Arbeit, um Nachwuchs und Wachstum und um die Frage, welche Aufgaben Freundeskreise übernehmen können, wenn Museen verlässliche Partner an ihrer Seite brauchen. Das Leitmotiv taucht dabei immer wieder auf: „Wir wollen die Nähe fördern.“

Leichtigkeit mit Tiefgang

Bei der Frage nach Leichtigkeit liegen die Antworten nah beieinander und setzen doch unterschiedliche Akzente. Matthias Lückertz spricht vom gemeinsamen Erleben von Kunst als „die größtmögliche Freude und ein tiefer Genuss“.

Für Dr. Hermann Arnhold gehört zur Leichtigkeit auch die Erfahrung ihres Gegenübers: „Es gibt keine Leichtigkeit ohne ohne tiefe Trauer und tiefes Leiden.“ 

Dr. Juliane Wessels denkt dabei an Höhen und Tiefen, die beide zum Leben gehören, und beschreibt Leichtigkeit als „diese innere Freiheit zu bekommen“.

Kunst helfe ihr, genau das stärker zu spüren und zu erleben. Sabine Mensing verbindet Leichtigkeit mit der Möglichkeit, sich von schwierigen Dingen ablenken und von dem tragen zu lassen, „was schön ist, was Spaß macht“

Themen dieser Folge

  • Wie Dr. Juliane Wessels, Sabine Mensing, Matthias Lückertz und Dr. Hermann Arnhold ihre eigene Liebe zur Kunst entdeckten
  • Wie aus dem Ankauf des Martinus-Pokals die Idee für den Freundeskreis entstand
  • Warum „Nähe fördern“ bis heute zum Selbstverständnis der Freunde gehört
  • Pierre Soulages, Freundschaft, Vertrauen und eine außergewöhnliche Ankaufsgeschichte
  • Kunstreisen, Junge Freunde, Professionalisierung und mehr als 1.600 Mitglieder
  • Welche Bedeutung Freundeskreise für Museen bekommen, wenn öffentliche Kultur unter Druck gerät
  • Franz Snyders’ „Knabe in der Vorratskammer“ und die Frage nach Genuss, Vergänglichkeit und Leichtigkeit

Die Schwerpunkte des Gesprächs

Vier Wege zur Kunst: Juliane Wessels erinnert sich an regelmäßige Museumsbesuche mit ihrer Familie in London. Sabine Mensings Beziehung zur Kunst beginnt als Kind im Rheinischen Landesmuseum Bonn. Matthias Lückertz erzählt von seinem Vater, der ihm beibrachte, Dinge erst einmal auszuprobieren, bevor man sie bewertet, und Dr. Hermann Arnhold von Tagen als Zehnjähriger in Wien, an denen er Museen als Freiraum für sich entdeckte.

Kunst lebt und die Nähe zur Kunst: Was hält einen Freundeskreis über 50 Jahre zusammen? Sabine Mensing bringt einen Gedanken ins Gespräch, der weit über einen Vereinszweck hinausgeht: „Wir wollen die Nähe fördern.“  Gemeint ist die Nähe zum Museum, zur Kunst und zu den Menschen untereinander.

Pierre Soulages, Vertrauen und ein Ankauf: Dr. Hermann Arnhold erzählt von seiner langjährigen Freundschaft mit Pierre und Colette Soulages, einem Atelierbesuch in Südfrankreich, einer schwierigen Preisverhandlung und drei Monaten Schweigen. Seine Freundschaft zu Soulages sei ihm so viel wert gewesen, dass er auf das Bild verzichtet hätte, wenn der Ankauf sie gefährdet hätte .

50 Jahre Kunst lebt, vom Martinus-Pokal bis Frans Snyders: Der Freundeskreis entstand aus einer ganz konkreten Situation. Ein für Münster bedeutendes Kunstwerk tauchte auf einer Auktion auf, dem Museum fehlte das nötige Geld und private Unterstützung half weiter. Aus diesem Gedanken entwickelten sich gemeinsame Ankäufe, Kunstreisen, die Jungen Freunde, ein wachsender Freundeskreis und eine Zusammenarbeit, in der Mitglieder bis heute über Erwerbungen mitentscheiden.

Freundschaft, Reisen und ein Doppelbett im Burgund: Dass Nähe bei den Freunden durchaus wörtlich genommen werden kann, zeigt eine der schönsten Geschichten dieser Folge. Bei einer frühen Kunstreise saßen zehn, zwölf, vielleicht fünfzehn Menschen abends in und um ein Doppelbett. „Jeder brachte aus seiner Minibar mit, was er tragen konnte“, erinnert sich Matthias Lückertz. Es wurde erzählt und zitiert. Für ihn sind genau aus solchen gemeinsamen Erlebnissen Freundschaften entstanden.

Wer kann Freund der Kunst sein? Es geht auch um die Frage, wie offen ein Freundeskreis heute sein muss, um unterschiedliche Generationen und Lebenssituationen zu erreichen. Sabine Mensing spricht über die Jungen Freunde und reduzierte Beiträge, Juliane Wessels über Wachstum und persönliche Nähe, Matthias Lückertz über die Vernetzung von Freundeskreisen und Hermann Arnhold über das Vertrauen zwischen Museum und seinen Unterstützer:innen.

Frans Snyders und der Lebensgenuss: Zum 50-jährigen Bestehen engagieren sich die Freunde für den Ankauf von Frans Snyders’ Knabe in der Vorratskammer. Das Gemälde befindet sich seit 1959 als Dauerleihgabe im Museum und soll dauerhaft für die Sammlung erhalten werden. Hermann Arnhold spricht im Podcast über die Sinnlichkeit dieser Malerei.

Links & Informationen

Freunde des Museums für Kunst und Kultur Münster e.V.
Domplatz 10, 48143 Münster
1976 gegründet, feiern die Freunde 2026 ihr 50-jähriges Bestehen unter dem Motto „Kunst lebt“. Heute gehören dem Freundeskreis mehr als 1.600 Mitglieder an. 
www.kunstlebt.org

Kunst braucht Freunde: Frans Snyders, „Knabe in der Vorratskammer“
Informationen zur aktuellen Ankaufskampagne der Freunde.
Zur Ankaufskampagne

LWL-Museum für Kunst und Kultur
Domplatz 10, 48143 Münster

Bundesverband der Fördervereine Deutscher Museen für bildende Kunst e.V.
Der Bundesverband vernetzt Freundes- und Fördervereine, organisiert den Erfahrungsaustausch und vertritt ihre gemeinsamen Anliegen. Aktuell gehören ihm rund 95 Freundeskreise mit mehr als 120.000 Mitgliedern an. 
Bundesverband der Fördervereine

Diese Episode entstand im Juni 2026 im LWL-Museum für Kunst und Kultur in Münster. 

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