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James McNeill Whistler und Hiroyuki Masuyama: Von London nach Venedig | Dr. Katharina Henkel | Kunstpodcast

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Dr. Katharina Henkel
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Claudia Linzel

James McNeill Whistler und Hiroyuki Masuyama – und wie sich Städte über Zeit verändern

Stellt euch vor, ihr steht auf einer Brücke…
Unter euch fließt das Wasser, neben euch rauscht der Verkehr. Vielleicht bleibt euer Blick kurz hängen – an einer Spiegelung, an einer Bewegung, an einem Detail, das sonst leicht übersehen wird.

Der Fluss gehört ins feste Bild der Stadt, auch die Brücke steht schon lange an ihrem Platz. Und trotzdem wirkt alles ein wenig anders als noch vor ein paar Jahren…

Städte verändern sich durch Architektur, Mobilität, Nutzung – und die Menschen, die sie prägen.

Von London nach Venedig

Die Ausstellung bei den Internationalen Tagen Ingelheim führt genau an solche Orte.
London und Venedig – zwei Städte, die seit Jahrhunderten immer wieder betrachtet, beschrieben und dargestellt werden.

Im Zentrum dieser Folge stehen zwei Künstler, die sich nie begegnet sind und dennoch miteinander in einen Dialog treten: James McNeill Whistler und Hiroyuki Masuyama

Whistler bewegt sich im 19. Jahrhundert durch London und später durch Venedig. Masuyama reist rund 150 Jahre später an dieselben Orte zurück.

Dr. Katharina Henkel

Im Gespräch mit Dr. Katharina Henkel, Kuratorin der Ausstellung Whistler und Masuyama rückt eine Frage in den Mittelpunkt: Was geschieht, wenn zwei künstlerische Blicke denselben Ort betrachten – mit über hundertfünfzig Jahren Abstand?

Die Internationalen Tage Ingelheim

Die Internationalen Tage Ingelheim stehen seit 1959 für jährlich wechselnde Ausstellungen. Mal rückt ein einzelner Künstler in den Mittelpunkt, mal ein Thema.

In diesem Jahr entsteht ein Dialog über Zeit hinweg.
Mit James McNeill Whistler und Hiroyuki Masuyama treffen zwei künstlerische Positionen aufeinander, die dieselben Orte betrachten – mit großem zeitlichen Abstand und unter völlig unterschiedlichen Bedingungen.

Beide arbeiten an London und Venedig.
Beide suchen nach einem Zugang zu Stadt, der über das Offensichtliche hinausgeht.
Und doch könnten ihre Herangehensweisen kaum unterschiedlicher sein.

James McNeill Whistler und die Stadt als Atmosphäre

Der Amerikaner James McNeill Whistler bewegt sich im 19. Jahrhundert unter anderem durch London und Venedig. Sein Blick löst die Stadt aus der klaren, gelernten Form. Linien beginnen zu verschwimmen, Konturen treten zurück, Atmosphäre rückt in den Vordergrund.

Er interessiert sich für Übergänge: zwischen Licht und Dunst, zwischen Wasser und Architektur, zwischen Nähe und Distanz.

Whistler gehört zu den ersten Künstlern, die Städte nicht mehr als reine Kulisse verstehen. Seine Arbeiten zeigen keine gewohnt-spektakulären Ansichten. Er sucht Brücken, Nebenwege und Orte am Rand, sowie Menschen, die diese Städte im Stillen prägen: Hafenarbeiter und Korbflechter.

Er lässt sich über die Themse rudern und ritzt seine Beobachtungen unmittelbar in die Druckplatte. Seine Radierungen entstehen nicht als nachträgliche Übertragung, sondern im Moment des Sehens. Dabei reizt er die technischen Möglichkeiten so weit aus, dass er die Radierung als Medium grundlegend verändert.

London und später Venedig erscheinen als Verdichtung von Licht, Dunst und Bewegung.

Hiroyuki Masuyama und die Sichtbarkeit von Zeit

Der in Düsseldorf lebende und in Japan geborene Hiroyuki Masuyama greift diese Orte mehr als ein Jahrhundert später wieder auf. Er sucht die Perspektiven Whistlers auf, fotografiert sie unter heutigen Bedingungen und arbeitet mit Serien von Aufnahmen, die über längere Zeiträume entstehen.

Seine Arbeiten folgen einer klaren Idee: verschiedene Zeiten innerhalb eines Bildes sichtbar zu machen.

Dafür legt er Fotografien und historische Vorlagen übereinander. Teile werden sichtbar gemacht, andere bleiben verdeckt.

Die ursprüngliche Arbeit erscheint dabei nicht als Zitat, sondern wie freigelegt – fast wie ein archäologischer Befund. Vergangenheit und Gegenwart liegen gleichzeitig im Bild und treten in direkte Beziehung.

So rücken weitere Fragen in den Raum: Wie entwickelt sich eine Stadt – und wie verändert sich unser Blick auf sie? Und wie nehmen wir unsere Umgebung wahr – und was übersehen wir dabei?

Parallelen und Unterschiede

Im Gespräch wird deutlich, wie unterschiedlich die Mittel sind:
Radierung · Lithografie · Fotografie · Collage

Whistler arbeitet im Moment des Sehens, direkt vor Ort, mit Radierung und Lithografie.
Masuyama arbeitet mit Fotografie und Montage, in Serien und mit Überlagerungen von Zeit. Er bringt unterschiedliche Zeitebenen so zusammen, dass Veränderungen sichtbar werden, die im Alltag kaum auffallen.

Während Whistler Wahrnehmung verdichtet, macht Masuyama zeitliche Veränderungen sichtbar.

Und doch verbindet sie ein gemeinsames Interesse:
einen Ort so festzuhalten, dass er über das Offensichtliche hinausweist.

Die Schwerpunkte des Gesprächs

James McNeill Whistler und seine Londoner sowie venezianischen Arbeiten
Hiroyuki Masuyama und seine fotografischen Serien
Die Verbindung von historischen und zeitgenössischen Positionen
Kunst zwischen Wahrnehmung, Technik und Veränderung

Nach dem Hören

Nach dem Hören bleibt ein feiner Gedanke:
Es lohnt sich immer, bekannte Orte noch einmal neu anzuschauen.

Links & Informationen

Internationale Tage Ingelheim
Ausstellung: Whistler und Masuyama – Von London nach Venedig

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Hinter den Kulissen

Diese Episode entstand als persönliches Gespräch im März 2026 vor Ort in Ingelheim.

Interner Klick-Tipp

Wenn dich der Blick auf Wahrnehmung und Stadt interessiert:
Konschthal Esch – Wie Kunst eine Stadt verändert
Denkmal – Spuren im Stadtraum

Und ein früheres Gespräch aus Ingelheim mit Dr. Katharina Henkel:
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