Ein Tagebuch- und Blogeintrag über Leichtigkeit, Janus, digitale Beteiligung und einen Ausstellungsbesuch mit drei Freundinnen.
Digital by Nature in der Kunsthalle München:
Seit September begleitet mich die Vorfreude auf diese Ausstellung – und mit den dreien fühlt sich der Moment genau richtig an.
Schon im ersten Raum passiert etwas, das sich kaum festhalten lässt.
Farben bewegen sich. Klänge fließen ruhig durch den Raum. Unsere Schritte hinterlassen Spuren. Und plötzlich stellt sich dieses herrliche Gefühl von unaufgeregter Leichtigkeit ein.
Unsere Gespräche beginnen oft bei einem Gedanken – und landen dann ganz woanders. Nicht abgelenkt, eher umgelenkt. Vielleicht macht genau das etwas mit diesem Besuch. Wir gehen nicht zielgerichtet. Wir bleiben stehen. Drehen uns. Lachen kurz. Bewegen uns weiter. Fast wie ein gemeinsames Tanzen durch den Raum.
Digital by Nature fühlt sich spielerisch an. Beteiligung wirkt hier nicht wie ein pädagogisches Angebot, sondern wie eine Selbstverständlichkeit.
Dann entdecken wir den neongrünen Janus.
Zwei Gesichter. Zwei Blickrichtungen. Vergangenheit und Zukunft gleichzeitig im Blick. Wie gut das hier passt. Digital by Nature stellt nichts gegeneinander. Analog und digital stehen nicht im Wettbewerb. Sie berühren sich, überlagern sich, gehen ineinander über.
Langsam öffnen sich die Fragen…
Welche Rolle spielt der Computer eigentlich in all dem?
Ist er Werkzeug, Partner, System?
Wer entscheidet hier – der Mensch, der Code, das Zusammenspiel?
In manchen Arbeiten wird sehr deutlich, wie selbstverständlich digitale Strukturen längst geworden sind. Pixel. Algorithmen. Systeme, die reagieren. Dinge, mit denen wir täglich umgehen, oft ohne sie bewusst wahrzunehmen. In Digital by Nature werden sie sichtbar. Ästhetisch. Spielerisch. Fast sanft.
Besonders in den Arbeiten, in denen der Körper eine Rolle spielt. Wenn Bewegung Bilder verändert. Wenn Klang auf Schritte reagiert. Wenn aus Anwesenheit Wirkung wird. Beteiligung fühlt sich hier nicht nach Kontrolle an, sondern nach Vertrauen.
Bei Anthropometry bleibe ich länger stehen. Der Gedanke, dass ein Körper nicht abgebildet, sondern in Daten übersetzt wird, fasziniert mich. Dass das Innere sichtbar wird, ohne etwas offensichtlich Intimes preiszugeben. Ich frage mich, ob das eine mögliche Zukunft ist – Körper in Zahlen, Werte, Informationen zu verwandeln. Und wie wertfrei das tatsächlich wäre.
Auch die Idee von Unendlichkeit taucht auf. Spiegel, Tiefe, Zahlenräume. Daten, die zirkulieren. Kein Anfang, kein Ende. Ich denke daran, wie oft wir uns in digitalen Räumen bewegen, die genau so funktionieren. Endlos. Und wie schnell ich darüber hinweggehe, gedankenlos. Vielleicht wäre es gar nicht schlecht, öfter innezuhalten. Über Endlichkeit nachzudenken. Ein kleiner Vorsatz für das kommende Jahr. Apropos Janus und Januar.
Wie viel digitale Beteiligung wünsche ich mir in meinem Alltag?
Wo sollte mehr digitale Unabhängigkeit Platz finden?
Wo lasse ich digitale oder analoge Systeme für mich entscheiden – und wo nicht?
Und wie viel Gestaltungsraum nehmen wir uns eigentlich selbst?
Was passiert, wenn man digitalen Strukturen wieder mit Neugier und Aufmerksamkeit begegnet, statt mit Gewohnheit?
Diese Fragen nehme ich mit aus Digital by Nature in der Kunsthalle München – leise, offen, ohne Eile.
Digital by Nature – Die Kunst von Miguel Chevalier
Kunsthalle München
12. September 2025 – 1. März 2026
Weitere Informationen zur Ausstellung auf der Website der
Kunsthalle München.
Weiterführende Gedanken zu Kunst, Wahrnehmung und Gesellschaft finden sich im
Tagebuch zur Kunst.
