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Podcastfolge mit Dr. Christiane Stahl und Dr. Jens Ehrhard über Alfred Ehrhardt

Alfred Ehrhardt: Fotograf, Filmemacher und Bauhäusler | Dr. Christiane Stahl und Dr. Jens Ehrhardt | Kunstpodcast

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Dr. Christiane Stahl
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Dr. Jens Ehrhardt
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Claudia Linzel

Alfred Ehrhardt: Fotograf, Filmemacher und Bauhäusler

Hand aufs Herz: Wir machen ständig Fotos, halten Momente fest und gehen weiter, ohne ihnen wirklich Zeit zu geben. Der Blick streift über vieles hinweg, bleibt selten hängen und noch seltener kehrt er zurück. Genau an diesem Punkt setzt diese Folge über den Fotograf, Kulturfilmemacher und Bauhäusler Alfred Ehrhardt an.

Seine Arbeiten entstehen nicht aus der Suche nach dem schnellen Bild, sondern aus einer Form der Konzentration, die Zeit braucht. Im Gespräch mit Dr. Christiane Stahl in Berlin und Dr. Jens Ehrhardt in München wird deutlich, wie sich dieser Blick entwickelt hat, welche Brüche seine Biografie geprägt haben und was es heute braucht, damit ein künstlerisches Werk wieder sichtbar wird.

Dr. Christiane Stahl und Dr. Jens Ehrhardt

Dr. Christiane Stahl kennt diese Momente aus ihrer täglichen Arbeit. Seit vielen Jahren beschäftigt sie sich mit dem Werk von Alfred Ehrhardt, hat über ihn promoviert und leitet heute die Alfred Ehrhardt Stiftung in Berlin. Dort geht es darum, Bilder zugänglich zu machen und in einen größeren Zusammenhang zu stellen.

Im zweiten Teil kommt eine Perspektive hinzu, die sich nicht aus Forschung ergibt, sondern aus Erfahrung. Dr. Jens Ehrhardt spricht als Sohn des Künstlers und als jemand, der sehr bewusst entschieden hat, dieses Werk nicht im Archiv zu belassen, sondern ihm einen Ort in der Gegenwart zu geben.

Die Alfred Ehrhardt Stiftung

Die Alfred Ehrhardt Stiftung in der Auguststraße in Berlin ist kein Ort, der sich laut in den Vordergrund drängt. Die Räume sind klar, konzentriert, und sie lassen eine besondere Form von Aufmerksamkeit. Hier geht es nicht um das Einfangen schneller Eindrücke, sondern um Bilder und Filme, die Zeit und Ruhe in sich tragen.

Der zweite Ort dieser Folge liegt in München bei der DJE Kapital AG. Ein Umfeld, das von Struktur, langfristigem Denken und Verantwortung geprägt ist. Gleichzeitig ist hier die Nähe zur Kunst unmittelbar spürbar. In diesem Zusammenspiel wird deutlich, dass die Weiterführung eines künstlerischen Werks nicht nur eine strategische, sondern auch eine persönliche Entscheidung ist. Es geht nicht allein um Erinnerung, sondern um Haltung und darum, Verantwortung zu übernehmen.

Und wir sprechen auch über einen dritten Ort: Das Museum Ehrhardt in Plüschow, initiiert von Dr. Jens Ehrhardt und seiner Familie, entworfen vom Pritzker-Preisträger Francis Kéré. Ein Haus, das Fotografie, Film und zeitgenössische Kunst zusammenführt und bewusst dort entsteht, wo Landschaft, Herkunft und Gegenwart ineinandergreifen.

Das Thema

Im Zentrum steht Alfred Ehrhardt, der als Fotograf, Filmemacher und Bauhaus-Schüler eine eigene Form des Sehens entwickelt hat. Sein Weg beginnt in der Musik, führt über das Bauhaus in Dessau in eine künstlerische Auseinandersetzung mit Form, Struktur und Wahrnehmung und nimmt dann eine entscheidende Wendung.

Mit der politischen Situation in den 1930er Jahren endet seine Lehrtätigkeit an der Landeskunstschule Hamburg. Er verliert den institutionellen Rahmen, in dem er gearbeitet hat, und zieht nach Cuxhaven.

Im Watt, im Schlamm, im Wechsel von Ebbe und Flut richtet sich sein Blick auf Strukturen, die leicht übersehen werden: Linien im Sand, Spuren des Wassers und Muscheln. Seine Fotografien entstehen aus einer Form der Konzentration, die das Alltägliche neu sichtbar macht.

Später erweitert er diesen Blick im Film. Über fünfzig Arbeiten entstehen, in denen Bewegung, Zeit und Rhythmus eine zentrale Rolle spielen.

In dieser Biografie liegt auch eine Verbindung, die sich erst im Rückblick klarer zeigt. Dr. Jens Ehrhardt beschreibt die Kunst seines Vaters als eine Brücke. Eine Verbindung, die nicht über gemeinsame Zeit entstanden ist, sondern über das Werk selbst. Aus dieser Erfahrung heraus wächst die Entscheidung, dieses Werk nicht nur zu bewahren, sondern ihm wieder einen Ort zu geben – sichtbar, zugänglich und in Beziehung zur Gegenwart.

Ein Blick in die Tiefe

Ehrhardts Arbeiten entstehen aus einer Haltung heraus, die sich deutlich von dem unterscheidet, was heute oft als Bildproduktion verstanden wird. Es geht nicht um das schnelle Erfassen eines Motivs, sondern um ein genaues Beobachten, das sich Zeit nimmt und dadurch eine eigene Klarheit entwickelt.

Sein Blick ist vom Bauhaus geprägt, von der Idee, dass Sehen ein aktiver Vorgang ist, der geschult werden kann. Diese Haltung zeigt sich in seinen Fotografien ebenso wie in seinen Filmen, in denen Bewegung, Struktur und Rhythmus eine zentrale Rolle spielen.

Dass Alfred Ehrhardt heute wieder stärker wahrgenommen wird, hat mit mehreren Entscheidungen zu tun: mit der Arbeit einer Stiftung, die nicht nur bewahrt, sondern aktiv seine Werke zeigt und in den Dialog mit zeitgenössischen Positionen bringt; mit der Bereitschaft, Werke einzuordnen, ohne sie festzulegen; und mit der Initiative einer Familie, die Verantwortung übernimmt und daraus konkrete Schritte ableitet.

Im Gespräch wird spürbar, dass diese Entscheidungen nicht selbstverständlich sind. Jens Ehrhardt beschreibt, wie die Kunst seines Vaters für ihn lange eine Form der Verbindung zu seinem Vater war, bevor daraus die Entscheidung entstand, dieses Werk öffentlich zugänglich zu machen.

Gleichzeitig zeigt sich im Austausch mit Christiane Stahl, dass Sichtbarkeit auch Arbeit bedeutet: Recherche, Kontextualisierung, Ausstellungen und Vermittlung.

Das Zusammenspiel dieser beiden Ebenen – persönliche Bindung und institutionelle Arbeit – macht den Unterschied.

Und genau darin liegt auch die Aktualität dieser Folge:
Kunst bleibt nicht von selbst sichtbar. Sie braucht Aufmerksamkeit, Entscheidungen und Orte, an denen sie wieder begegnet werden kann.

Die Schwerpunkte des Gesprächs

• Alfred Ehrhardt zwischen Musik, Bauhaus und fotografischem Blick
• Natur als Struktur: Wattenmeer, Muscheln, Linien und Formen
• Film als Erweiterung von Wahrnehmung und Zeit
• Die Rolle der Alfred Ehrhardt Stiftung in der Wiederentdeckung des Werks
• Jens Ehrhardt: persönliche Verbindung, Entscheidung und Verantwortung
• Das Museum Ehrhardt in Plüschow als neuer Ort für dieses Werk

Nach dieser Folge…

Vielleicht verändert sich nach dem Hören dieser Folge ein wenig die Aufmerksamkeit und Wahrnehmung im Alltag: der Weg durch den Park, die Oberfläche einer Pfütze oder die Struktur einer Baumrinde treten möglicherweise bewusster in den Vordergrund.

Links & Informationen

Alfred Ehrhardt Stiftung, Berlin
DJE Kapital AG, München
Museum Ehrhardt, Plüschow

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Hinter den Kulissen

Diese Episode entstand als persönliches Gespräch vor Ort in der Berlin und in München im April 2026.

Interner Klick-Tipp

Die Frage, wie Kunst sichtbar bleibt, stellt sich auch an anderer Stelle – etwa in Gesprächen über Stiftungsarbeit und Förderung, zum Beispiel in den Episoden mit der Stiftung Kunst, Kultur und Soziales der Sparda-Bank West

Auch das Zusammenspiel von Archiv, Erinnerung und persönlicher Weitergabe wird in anderen Folgen sichtbar, etwa im Gespräch mit Julia Geiger und Rouven Lotz über Rupprecht Geiger im Emil Schumacher Museum in Hagen.

Und wenn neue Orte für Kunst entstehen, geht es immer auch um Entscheidungen für die Zukunft – eine Perspektive, die im Gespräch mit Dr. Oliver Kornhoff zur Gründung des Museum Reinhard Ernst in Wiesbaden deutlich wird.

Diese Folge ist Teil einer größeren Auseinandersetzung mit der Fotografie über zwei Jahrhunderte hinweg, dazu verweise ich gerne auf den Themenblock Fotografie innerhalb dieser Podcastreihe.